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Day Trading: Wie es funktioniert und warum die meisten Anleger verlieren

Eine Person am Schreibtisch vor einem Kerzenchart
Illustration: Bitcoin Billionaire

Day Trading bedeutet, dass du Positionen am selben Tag eröffnest und wieder schließt, um von kleinen Kursbewegungen zu profitieren. Die Daten zeigen ein klares Bild: Die meisten privaten Day Trader verlieren Geld. Nach Daten nationaler Aufsichtsbehörden, die die ESMA im März 2018 veröffentlichte, verlieren 74 bis 89 % der Privatkundenkonten bei CFDs Geld. In einer Studie über alle neuen Day Trader im brasilianischen Aktien-Futures-Markt verloren 97 % derer, die mindestens 300 Tage dabeiblieben. Der Hebel, mit dem viele Anbieter werben, vergrößert Verluste im gleichen Maß wie Gewinne. Dieser Artikel erklärt die Mechanik, die Kosten, die Regeln der BaFin und die Besteuerung in Deutschland.

Was ist Day Trading und wie funktioniert es?

Beim Day Trading schließt du alle Positionen vor dem Ende der Handelssitzung. Du suchst nach kleinen Bewegungen innerhalb eines Tages und handelst dafür oft mehrmals täglich. Gehandelt werden Aktien, Indizes, Devisen, Futures und Kryptowerte. Kryptowerte werden rund um die Uhr gehandelt. Bei ihnen gibt es keinen Handelsschluss, "der Tag" ist also eine Grenze, die du dir selbst setzt.

Viel privates Day Trading läuft über CFDs und andere gehebelte Produkte. Bei einem CFD handelst du die Kursdifferenz, ohne den Basiswert zu besitzen. Deshalb spielt der Hebel eine so große Rolle. Wer die Grundlagen noch nicht kennt, findet sie in unserem Leitfaden Trading für Einsteiger erklärt.

Day Trading, Scalping und Swing Trading im Vergleich

Beim Scalping hältst du Positionen nur Sekunden oder Minuten und handelst sehr oft. Beim Swing Trading hältst du Positionen mehrere Tage. Day Trading liegt dazwischen: Die Position endet am selben Tag.

Daraus folgt eine einfache Regel. Je kleiner die Kursbewegung, auf die du zielst, desto größer ist der Anteil des Gewinns, den die Kosten aufzehren. Je mehr Trades du machst, desto höher sind die Kosten insgesamt.

Warum die meisten Day Trader Geld verlieren

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA veröffentlichte am 27. März 2018 Daten nationaler Aufsichtsbehörden. Danach verlieren 74 bis 89 % der Privatkundenkonten typischerweise Geld. Der durchschnittliche Verlust pro Kunde lag zwischen 1.600 € und 29.000 €.

Eine zweite Quelle ist eine Studie von Forschern der Hochschulen FGV und USP in Brasilien (Arbeitspapier 2019, überarbeitet 2020). Sie erfasst alle Personen, die zwischen 2013 und 2015 mit dem Day Trading brasilianischer Aktien-Futures begannen. Von denen, die mindestens 300 Tage dabeiblieben, verloren 97 % Geld. Nur 0,4 % verdienten mehr als ein Bankangestellter, nämlich rund 54 US-Dollar am Tag. Hinweise darauf, dass die Händler mit der Zeit besser wurden, fanden die Autoren nicht. Die Studie betrifft nur diesen einen Markt. Sie erfasst aber alle Neueinsteiger dieses Zeitraums und ist keine Umfrage unter Freiwilligen.

Auch die BaFin begründete ihre CFD-Regeln damit, dass ein großer Teil der Anleger sein eingesetztes Kapital verliert. Eine Prozentzahl nennt sie dort nicht.

Mehrere Mechanismen erklären diese Ergebnisse:

  • Auf jeden Trade fallen Kosten an, egal ob er gewinnt oder verliert.
  • Der Hebel macht aus kleinen Kursbewegungen große Verluste.
  • Du konkurrierst mit professionellen Händlern und Handelsalgorithmen.
  • Nach Verlusten treffen viele Händler emotionale Entscheidungen und erhöhen das Risiko.

Der Hebel vergrößert Gewinne und Verluste

Ein Hebel bedeutet, dass du mit wenig eigenem Geld eine große Position steuerst. Das eingesetzte Geld heißt Margin. Verluste werden am Wert der ganzen Position gemessen, nicht an deiner Margin. Wie bei allen gehebelten Produkten gilt: Die meisten Privatanleger verlieren Geld, und der Hebel vervielfacht die Verluste.

Beispiel: Du setzt 1.000 € Margin bei einem Hebel von 5:1 ein und steuerst damit eine Position von 5.000 €. Fällt der Kurs um 10 %, verliert die Position 500 €. Das ist die Hälfte deiner Margin, obwohl der Kurs nur um ein Zehntel gefallen ist. Mit einem höheren Hebel wäre derselbe Kursrückgang noch schmerzhafter.

Die BaFin schreibt für CFDs für Privatkunden in Deutschland eine Mindest-Margin je Basiswert vor. Die Quelle nennt die Margin, die Hebelspalte ist die rechnerische Entsprechung.

Basiswert Mindest-Margin Entsprechender Hebel
Hauptwährungspaare (zwei aus USD, EUR, JPY, GBP, CAD, CHF) 3,33 % 30:1
Wichtige Indizes (zum Beispiel DAX, S&P 500), andere Währungspaare, Gold 5 % 20:1
Andere Rohstoffe und andere Indizes 10 % 10:1
Aktien und sonstige Basiswerte 20 % 5:1
Kryptowährungen 50 % 2:1

Zwei weitere Regeln schützen Privatkunden. Fallen das Guthaben auf dem Konto und die nicht realisierten Nettogewinne unter die Hälfte der geforderten Initial-Margin aller offenen CFDs, schließt der Anbieter Positionen automatisch. Außerdem gilt ein Negativsaldoschutz: Deine Haftung ist auf das Guthaben im Handelskonto begrenzt. Du kannst also nicht mehr verlieren, als auf dem Konto liegt. Das heißt aber auch, dass du dieses gesamte Guthaben verlieren kannst.

Welche Kosten beim Day Trading anfallen

Beim Day Trading entstehen mehrere Kostenarten:

  • Spread: der Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufskurs, den du bei jedem Trade zahlst.
  • Ordergebühren oder Kommissionen: feste oder prozentuale Gebühren pro Order.
  • Finanzierungskosten: Bei gehebelten Positionen, die über Nacht offen bleiben, fallen sie zusätzlich an.
  • Währungsumrechnung: Sie wird fällig, wenn der Basiswert in einer anderen Währung als dein Konto notiert.
  • Daten- und Plattformgebühren: manche Anbieter berechnen sie für Kursdaten oder Software.

Wer dutzende Trades am Tag macht, zahlt oft schon hohe Kosten, bevor überhaupt ein Gewinn entsteht. Wie hoch die Gebühren sind, unterscheidet sich je nach Anbieter. Vergleiche deshalb immer die Preis- und Leistungsverzeichnisse.

Was die BaFin für CFDs in Deutschland vorschreibt

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat die Regeln in einer Allgemeinverfügung vom 23. Juli 2019 festgelegt. Sie wurde am 1. August 2019 wirksam und ersetzte eine Verfügung der BaFin vom 8. Mai 2017. Sie enthält die Margin-Grenzen aus der Tabelle, die automatische Schließung bei 50 % der Initial-Margin und den Negativsaldoschutz. Außerdem verbietet sie monetäre und nicht monetäre Vorteile, also etwa Boni, für Privatkunden bei CFDs. Den aktuellen Stand der Regeln findest du bei der BaFin.

Praktisch bedeutet das: Ein Anbieter, der deutschen Privatkunden einen höheren Hebel oder einen "Bonus" anbietet, sendet ein Warnsignal. Prüfe außerdem, ob der Anbieter zugelassen ist. Das geht in der Unternehmensdatenbank der BaFin. Ein Eintrag schützt dich nicht vor Verlusten, ein fehlender Eintrag ist aber ein deutliches Warnsignal. Wie gefälschte Anbieter vorgehen, erklärt unser Artikel über Betrug mit Trading-Robotern und falschen Akademien.

Risiko begrenzen, wenn du es trotzdem ausprobieren willst

Die folgenden Punkte sind keine Strategie, sondern Risikokontrolle:

  • Übe zuerst ohne echtes Geld. Wie das geht, steht im Artikel mit Paper Trading ohne echtes Geld üben.
  • Lege vorher fest, wie viel du pro Trade und pro Tag höchstens verlieren willst, und halte dich daran.
  • Nutze Stop-Loss-Orders. In schnellen Märkten können sie mit Abweichung ausgeführt werden, der Verlust kann also größer ausfallen als geplant.
  • Setze nur Geld ein, dessen Verlust du dir leisten kannst.
  • Führe ein schriftliches Journal über jeden Trade, einschließlich aller Kosten.

Wer Grundlagen sucht, kann Trading von Grund auf lernen. Keiner dieser Punkte macht Day Trading zu einer verlässlichen Einkommensquelle. Die Zahlen aus Brasilien zeigen, wie selten das gelingt: 97 % verloren, und nur 0,4 % verdienten mehr als etwa 54 US-Dollar am Tag.

Wie Gewinne aus dem Day Trading versteuert werden

Dieser Abschnitt ist allgemeine Information. Für deinen persönlichen Fall wende dich an das Finanzamt oder einen Steuerberater.

Aktien, ETFs, CFDs und Futures

Im Privatvermögen zählen Gewinne aus diesen Produkten in der Regel zu den Einkünften aus Kapitalvermögen. Dafür gilt nach § 32d Abs. 1 EStG ein Steuersatz von 25 %, zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Nach § 20 Abs. 9 EStG steht dir ein Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € pro Person zu, bei zusammen veranlagten Ehegatten sind es 2.000 €.

Verluste aus Kapitalvermögen darfst du nicht mit Einkünften aus anderen Einkunftsarten ausgleichen. Sie mindern aber die Einkünfte aus Kapitalvermögen in späteren Jahren. Der aktuelle Text von § 20 Abs. 6 EStG enthält keine eigene Verlustbeschränkung für Termingeschäfte. Verluste aus Aktienverkäufen darfst du aber weiterhin nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechnen.

Kryptowerte

Wer Kryptowerte innerhalb eines Jahres nach dem Kauf verkauft, erzielt ein privates Veräußerungsgeschäft. Der Gewinn wird mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert. Bleibt die Summe aller privaten Veräußerungsgewinne eines Kalenderjahres unter 1.000 €, ist sie steuerfrei. Bis zum Jahr 2023 lag die Grenze bei 600 €. Es ist eine Freigrenze und kein Freibetrag.

Verluste aus solchen Verkäufen gleichst du nur mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften aus. Was übrig bleibt, trägst du ein Jahr zurück oder in die Zukunft vor.

Jeder Tausch zählt als Verkauf, egal ob in Euro, in Waren oder in andere Kryptowerte. Nach jedem Tausch beginnt die Jahresfrist neu. Außerdem kann häufiges Kaufen und Verkaufen als gewerbliche Tätigkeit gelten (BMF-Schreiben vom 6. März 2025). Gerade Day Trader sollten das beachten. Mehr zu den Grundlagen findest du unter Grundlagen zu Kryptowerten und Steuern.

Laut Entwurf des Bundesfinanzministeriums soll die Ein-Jahres-Haltefrist entfallen und Krypto-Gewinne sollen mit 25 % besteuert werden. Stand 12. Oktober 2026 befand sich der Entwurf noch in der Ressortabstimmung. Er ist also noch kein geltendes Recht.

Häufige Fragen zum Day Trading

Kann man vom Day Trading leben?

Die Daten sprechen dagegen. In der brasilianischen Studie verdienten nur 0,4 % der ausdauernden Day Trader mehr als ein Bankangestellter, und 97 % verloren Geld. Day Trading ist kein verlässlicher Ersatz für ein Gehalt.

Was ist der Unterschied zwischen Day Trading und Scalping?

Beim Day Trading endet jede Position am selben Tag. Beim Scalping hältst du sie nur Sekunden oder Minuten und handelst deutlich häufiger. Dadurch wiegen die Kosten pro Trade noch schwerer.

Ist Day Trading in Deutschland legal?

Ja. Wer in Deutschland Finanzdienstleistungen anbietet, braucht dafür in der Regel eine Erlaubnis der Aufsicht. Für CFDs begrenzt die BaFin den Hebel für Privatkunden seit dem 1. August 2019.

Welcher Hebel ist bei Krypto-CFDs erlaubt?

Bei Kryptowährungen als Basiswert schreibt die BaFin eine Margin von 50 % vor. Das entspricht einem Hebel von 2:1.

Muss ich Gewinne aus dem Day Trading versteuern?

Ja, grundsätzlich schon. Bei Aktien und CFDs im Privatvermögen sind es in der Regel Einkünfte aus Kapitalvermögen mit 25 % und einem Sparer-Pauschbetrag von 1.000 €. Verkaufst du Kryptowerte innerhalb eines Jahres, gilt dein persönlicher Steuersatz. Steuerfrei bleibt der Gewinn, wenn alle privaten Veräußerungsgewinne des Jahres zusammen unter 1.000 € liegen.

Quellen

  1. ESMA, Pressemitteilung zu CFDs und binären Optionen, 27. März 2018
  2. BaFin, Allgemeinverfügung zu Differenzgeschäften (CFDs), 23. Juli 2019
  3. § 23 EStG, Private Veräußerungsgeschäfte
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