Betrug mit Kryptowährung beginnt oft mit einem Kontakt, den du nicht gesucht hast: eine Werbeanzeige, ein Chat, ein Anruf oder eine angebliche Support-Nachricht. Er endet damit, dass du Geld überweist oder deine Seed-Phrase herausgibst. Krypto-Überweisungen lassen sich oft nicht zurückholen, deshalb zählt jede Prüfung vor der Zahlung. Zur Einordnung: Laut Bundeslagebild Cybercrime registrierte die Polizei 2025 rund 334.000 Cybercrime-Fälle, bei einem erheblichen Dunkelfeld. Diese Zahl umfasst alle Cybercrime-Delikte, nicht nur Krypto-Betrug. Hier findest du die Warnzeichen, die häufigsten Maschen, den Anbieter-Check und die Schritte nach einem Verlust.
Woran du Betrug mit Kryptowährung erkennst
Die drei europäischen Finanzaufsichtsbehörden (EBA, EIOPA und ESMA) beschreiben in ihrem Factsheet zu Krypto-Betrug, warum Betrug mit Kryptowerten so gut funktioniert: weltweiter Zugang, hohe Geschwindigkeit, Anonymität und häufig nicht umkehrbare Transaktionen. Betrüger erreichen dich über soziale Medien, E-Mails, unerwartete Anrufe und Messaging-Apps. Diese Warnzeichen solltest du kennen:
- Ein Versprechen, das zu gut klingt, um wahr zu sein.
- Ein Angebot, das du nicht angefragt hast.
- Eine garantiert schnelle und hohe Rendite.
- Zeitdruck, etwa „nur heute“ oder „nur noch wenige Plätze“.
- Eine Zahlungsaufforderung über nicht rückverfolgbare Wege, zum Beispiel Kryptowerte oder Geschenkkarten.
- Eine Einladung, auf einen Link zu klicken, einen QR-Code zu scannen oder eine App herunterzuladen.
- Die Frage nach deinem privaten Schlüssel oder deiner Seed-Phrase.
- Eine verdächtige oder nachgebaute Webadresse, oft ohne echte Kontaktdaten.
Zwei Hinweise der BaFin kommen dazu. Ruft dich jemand unaufgefordert an, um dir eine Geldanlage anzubieten, ist das laut BaFin verbotenes Cold Calling. Und wer dich zu einer schnellen Entscheidung drängt, will dir meist etwas vormachen.
Die wichtigste Regel dahinter: Seriöse Unternehmen fragen dich nie per E-Mail, SMS oder Telefon nach Passwörtern oder Sicherheitscodes. Deine Seed-Phrase gibst du niemandem.
Die häufigsten Maschen im Überblick
Die folgenden Maschen beschreiben die drei europäischen Aufsichtsbehörden und die BaFin in ihren Warnungen.
Falsche Trading-Plattformen und Trading-Roboter
Die BaFin beschreibt in ihrer Übersicht zu betrügerischen Handelsplattformen das typische Muster. Die Anzeigen zeigen Fotos von Prominenten, die ohne deren Zustimmung verwendet werden, und imitieren Logos und Designs bekannter Nachrichtenportale oder Fernsehsender. Am 29. April 2025 warnte die BaFin erneut vor solchen Anzeigen, die außerordentlich hohe Gewinne versprechen.
Auf der Plattform siehst du dann Kontostand und Gewinne. Beides ist laut BaFin reine Fälschung einer Betrugssoftware, es wird kein einziger Cent investiert. Willst du dir Geld auszahlen lassen, verlangen die Täter weitere Zahlungen: angebliche Steuern, Liquiditätsnachweise, Gebühren oder eine sogenannte Spiegeltransaktion. Manche Mitarbeiter bieten außerdem an, sich per Fernwartungssoftware auf dein Gerät zu schalten. Dabei verschaffen sie sich teils Zugriff auf das Onlinebanking.
Ein Beispiel aus unserer eigenen Domain: Bis März 2026 lief hier der Trading-Roboter „Bitcoin Billionaire“. Die Seite warb 2020 mit „Earn $6,325 daily“ und einer Ersteinzahlung von 250 Dollar. Das sind die Versprechen des Anbieters, keine belegten Tatsachen. Wie der Ablauf aussah, erklärt der Beitrag wie der Bitcoin-Billionaire-Betrug ablief.
Liebesbetrug (Love Scam)
Der Kontakt kommt über soziale Medien, Dating-Apps oder SMS. Die Profile verwenden gestohlene oder mit künstlicher Intelligenz erzeugte Bilder. Irgendwann wechselt das Gespräch zu Krypto-Investments. Du zahlst zuerst einen kleinen Betrag ein, später mehr. Dann zieht die Person so viel Geld ab wie möglich, bricht jede Kommunikation ab und verschwindet. Deine Daten können die Täter zusätzlich für Identitätsdiebstahl nutzen.
Phishing und falscher Support
Beim Phishing erhältst du eine Nachricht, die angeblich von deinem Krypto-Anbieter oder deiner Wallet-App stammt. Klickst du auf den Link, lädst die App herunter oder scannst den QR-Code, kannst du dir Schadsoftware installieren, mit der die Täter Kryptowerte stehlen. Zur Größenordnung: Die Verbraucherzentrale NRW hat 2025 rund 380.000 Phishing-Mails erfasst. Das sind Phishing-Mails jeder Art, nicht nur solche mit Krypto-Bezug.
Eine Variante ist der falsche Support. Du stellst eine Frage in sozialen Medien, und kurz darauf meldet sich angeblich der Support. Er fragt nach deiner Seed-Phrase, deinem Passwort oder deinem privaten Schlüssel. Hat die Person sie, ist das Geld weg, und bei Krypto-Überweisungen ist eine Wiederherstellung fast unmöglich. Wie du deine Seed-Phrase offline mit einer Hardware-Wallet schützen kannst, erklärt unser Wallet-Guide.
Gefälschte Gewinnspiele und „Verdopple deine Coins“
Ein Post oder Livestream zeigt eine berühmte Person oder Marke und verspricht, deine Kryptowerte zu verdoppeln, wenn du zuerst etwas sendest. Du bekommst nichts zurück.
Pump-and-Dump und Rug Pull
Eine Werbung preist einen neuen Token mit begrenztem Zeitfenster an. Du wirst zu einer Kryptobörse oder zu Telegram, WhatsApp oder Viber weitergeleitet und zu höheren Einsätzen gedrängt. Die Initiatoren treiben den Kurs hoch und verkaufen dann ihre Bestände. Oder sie schließen das Projekt und verschwinden mit dem Geld, das nennt man Rug Pull.
Schneeballsysteme
Hier gibt es konstant hohe Renditen und Belohnungen fürs Anwerben neuer Mitglieder. In Wirklichkeit entsteht kein Gewinn. Die Auszahlungen stammen ausschließlich aus den Einzahlungen neuerer Teilnehmer. Verlangsamt sich der Zufluss, bricht das System zusammen.
Täuschend ähnliche Wallet-Adressen
Du erhältst einen Kleinstbetrag von einer Adresse, die deiner eigenen oder einer bekannten Adresse stark ähnelt. Die Täter ändern nur wenige Zeichen, oft in der Mitte. Kopierst du die Adresse später aus deinem Verlauf, sendest du Geld an die Täter, meist dauerhaft verloren. Prüfe deshalb jede Adresse vor dem Senden vollständig und kopiere sie nicht aus dem Verlauf. Mehr dazu bei den Grundlagen zu Wallets.
So prüfst du einen Anbieter, bevor du Geld schickst
Seit dem 1. Juli 2026 dürfen in der EU nur noch Anbieter mit einer Lizenz nach MiCAR Kryptowerte-Dienstleistungen erbringen. Das meldete die BaFin in ihrer Meldung vom 8. Juli 2026. Deutschland hatte die Übergangsfrist bereits auf den 31. Dezember 2025 verkürzt. Findest du einen Anbieter weder in der BaFin-Unternehmensdatenbank noch im ESMA-Register, ist das ein deutliches Warnsignal. So gehst du vor:
- Lizenz prüfen. Schau in der BaFin-Unternehmensdatenbank nach oder bei der Aufsicht im Herkunftsland des Anbieters. Ergänzend hilft das Register der ESMA.
- Warnlisten ansehen. Die BaFin veröffentlicht Warnungen vor einzelnen Anbietern, die Internationale Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden (IOSCO) führt die sogenannte I-SCAN-Liste. Warnungen decken aber nie alle Angebote ab. Fehlt ein Anbieter dort, beweist das nichts.
- Impressum lesen. Fehlt es oder ist es falsch, investierst du nicht.
- Kontaktdaten selbst suchen. Nutze nie die Links oder Nummern aus einer Nachricht. Installiere Apps nur aus offiziellen, vertrauenswürdigen App-Stores.
Ein Beispiel für eine solche Prüfung ist unser Check zu Bitcoin Superstar. Wie der Kauf bei einem geprüften Anbieter abläuft, steht im Guide Krypto bei einem zugelassenen Anbieter kaufen.
Du bist betrogen worden? Das tust du jetzt
Wenn du schon gezahlt oder Zugangsdaten herausgegeben hast, gehe diese Schritte der Reihe nach durch:
- Nicht mehr zahlen. Überweise nichts mehr, auch nicht für angebliche „Steuern“, „Gebühren“ oder eine „Spiegeltransaktion“. Brich den Kontakt ab und blockiere die Absender.
- Zugänge sichern. Ändere die Passwörter auf allen Geräten und Konten. Entferne Fernwartungssoftware, die du auf Anraten der Täter installiert hast. Haben sie Zugriff auf dein Onlinebanking, informiere sofort deine Bank. Ob du Geld zurückbekommst, lässt sich nicht zusagen.
- Wallet sichern. Ist deine Wallet kompromittiert, richte eine neue Wallet mit einer neuen Seed-Phrase ein, übertrage das Restguthaben dorthin und widerrufe Smart-Contract-Freigaben. Eine Freigabe erlaubt einem Smart Contract, auf bestimmte Token in deiner Wallet zuzugreifen.
- Anbieter informieren. Melde den Vorfall dem Krypto-Anbieter über dessen offizielle Kanäle. Eine Blockchain-Transaktion lässt sich meist nicht rückgängig machen. Der Anbieter kann aber ein Konto der Täter auf seiner Plattform sperren.
- Belege sichern und anzeigen. Sichere Überweisungsbelege, Wallet-Adressen, Chats, E-Mails und Webadressen. Erstatte Anzeige bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft. Unabhängigen Rat bekommst du bei den Verbraucherzentralen.
Eine ehrliche Einschätzung gehört dazu: Laut BaFin sind die Chancen, das verlorene Geld zurückzubekommen, minimal. Ein Totalverlust ist wahrscheinlich. Umso wichtiger ist es, Betrug mit Kryptowährung vor der ersten Zahlung zu erkennen.
Vorsicht vor angeblichen Rückholhelfern
Nach einem Betrug folgt oft der zweite Versuch. Die Täter melden sich teils Jahre später, behaupten, das Geld sei gefunden, und verlangen vorher Gebühren. Manche geben sich als BaFin oder als Verbraucherzentrale aus. Die BaFin holt kein Geld zurück, beauftragt keine Dritten damit und meldet sich nicht von sich aus bei einzelnen Personen. Verbraucherzentralen rufen nie unaufgefordert an und zahlen keine Gelder aus. Wer einmal betrogen wurde, kann erneut betrogen werden. Zahle für eine angebliche Rückholung deshalb nie vorab.
Wie es weitergeht
Sichere als Nächstes deine Wallet und lies unsere Grundlagen zu Wallets. Wenn du kaufen willst, wähle einen zugelassenen Anbieter und nutze den Lizenz-Check von oben. Diese Seite hat keine App, keine Anmeldung und verkauft nichts. Auf dieser Domain lief bis März 2026 die Werbeseite des Bitcoin-Billionaire-Betrugs. Seit Oktober 2026 gehört sie einem neuen Betreiber. Die Geschichte steht auf der Seite Über diese Domain.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich Betrug mit Kryptowährung?
Typische Warnzeichen sind Angebote, die du nicht angefragt hast, garantierte hohe Renditen, Zeitdruck und die Bitte um Zahlung per Krypto oder Geschenkkarte. Auch die Frage nach deiner Seed-Phrase ist ein sicheres Zeichen. Fehlt zudem ein vollständiges Impressum, investierst du nicht.
Bekomme ich mein Geld nach einem Krypto-Betrug zurück?
Das lässt sich nicht versprechen. Laut BaFin sind die Chancen minimal, und Blockchain-Transaktionen lassen sich meist nicht rückgängig machen. Der Anbieter, über den das Geld lief, kann aber ein Konto der Täter auf seiner Plattform sperren. Melde den Fall deshalb sofort.
Wo zeige ich Krypto-Betrug an?
Du erstattest Anzeige bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft. Unabhängigen Rat bekommst du bei den Verbraucherzentralen. Sichere vorher Belege wie Chats, Überweisungen und Webadressen.
Darf mich die BaFin oder eine Verbraucherzentrale anrufen und Hilfe anbieten?
Nein. Die BaFin wendet sich nicht von sich aus an einzelne Personen, holt kein Geld zurück und beauftragt keine Dritten. Verbraucherzentralen rufen nie unaufgefordert an und zahlen keine Gelder aus. Wer das Gegenteil behauptet, ist sehr wahrscheinlich ein Betrüger.
Quellen
- ESAs: Factsheet zu Krypto-Betrug und Scams (deutsche Ausgabe)
- BaFin: Betrügerische Handelsplattformen
- BaFin: Meldung vom 8. Juli 2026 zu Geldwäscherisiken (MiCAR-Übergangsfrist)
- BaFin: Verbrauchermitteilung vom 4. Mai 2026 zu angeblichen Hilfsangeboten
- BaFin: Verbrauchermitteilung vom 29. April 2025 zu gefälschter Promi-Werbung
- Verbraucherzentrale NRW: Pressemitteilung vom 13. Juli 2023 zu falschen Verbraucherschützern
- Bundesregierung: Bundeslagebild Cybercrime 2025
- Wayback Machine: bitcoin-billionaire.com, Aufnahme vom 6. August 2020






