Bitcoin Billionaire: So funktionierte der Betrug mit dem Trading-Roboter
Bitcoin Billionaire war kein funktionierender Trading-Roboter, sondern eine Lockseite, die Kontaktdaten sammelte und Anrufe auslöste. Die Seite versprach hohe Tagesgewinne, verlangte eine Einzahlung und bat ab 2023 um die Erlaubnis, Name, E-Mail-Adresse und Telefonnummer an Dritte weiterzugeben. Diese Website lief von 2020 bis März 2026 unter genau dieser Domain. Am 23. Oktober 2026 wurde die Domain neu registriert, und die heutige Redaktion hat mit dem Angebot nichts zu tun. Hier steht, wer diese Domain heute betreibt. Diese Seite behandelt das Trading-Roboter-Angebot, nicht das gleichnamige Handyspiel.
Was Bitcoin Billionaire versprach
Der Auftritt von August 2020 stellte die Frage „Earn $6,325 daily with Bitcoin Billionaire?“ („Verdiene 6.325 $ täglich mit Bitcoin Billionaire?“). Dazu hieß es: „All you need is your initial deposit of $ 250“ („Alles, was du brauchst, ist deine erste Einzahlung von 250 $“). Als dritten Schritt nannte die Seite: „Receive your free phone call from an expert“ („Erhalte deinen kostenlosen Anruf von einem Experten“). Ein Testimonial lautete: „I made $ 500,000 on the first day!“ („Ich habe am ersten Tag 500.000 $ verdient!“). Außerdem behauptete die Seite, es gebe „currently 1000 members worldwide“ („derzeit 1000 Mitglieder weltweit“).
Das sind Aussagen der Betreiber, keine belegten Tatsachen. Positive Erfahrungen auf den alten Seiten waren Zitate dieser Art, keine überprüfbaren Berichte echter Kunden.
Die deutsche Version vom November 2020 sagte etwas anderes als die englische Startseite. Dort stand: „Obwohl wir keine Ergebnisse garantieren können, sind viele unserer Benutzer mit ihrer Erfahrung sehr zufrieden.“ Gleichzeitig drängte sie zum Einstieg: „Welcher Zeitpunkt ist also besser als jetzt, um Bitcoin in Ihr Portfolio aufzunehmen?“ Auch das Kleingedruckte widersprach dem Werbeversprechen. Der Haftungsausschluss zu Einnahmen lautete: „THERE IS NO GUARANTEE THAT YOU WILL EARN ANY MONEY“ („Es gibt keine Garantie, dass du Geld verdienst“). Auf der Startseite stand das Versprechen, im Kleingedruckten das Gegenteil.
Bitcoin Billionaire Betrug: wie die Masche ablief
Der Ablauf folgt dem Muster, das auch die BaFin bei betrügerischen Handelsplattformen beschreibt. Die Schritte eins bis vier sind aus den archivierten Seiten und der BaFin-Beschreibung abgeleitet. Die Schritte fünf und sechs beschreiben, wie die BaFin betrügerische Handelsplattformen allgemein schildert. Es sind keine dokumentierten Transaktionen dieser einen Marke.
- Werbung: Anzeigen mit Promi-Fotos oder gefälschte Nachrichtenseiten locken auf die Seite. Laut BaFin tauchen Fotos von Prominenten oft ohne deren Zustimmung in Werbeanzeigen von Apps auf, und Täter imitieren Logos und Designs bekannter Nachrichtenportale oder Fernsehsender.
- Formular: Du gibst Name, E-Mail-Adresse und Telefonnummer ein.
- Anruf: Ein angeblicher Experte meldet sich telefonisch.
- Erste Einzahlung: Die Seite nannte 250 $ als Startbetrag.
- Scheingewinne: Im Kundenkonto erscheinen Gewinne. Laut BaFin sind die dargestellten Kontobewegungen reine Fälschung einer Betrugssoftware, und es wird kein einziger Cent investiert.
- Auszahlung nur gegen weitere Zahlungen: Die Täter verlangen angebliche Steuern, Liquiditätsnachweise, Gebühren oder eine „Spiegeltransaktion“. Oft bricht der Kontakt auch ab, sobald du auszahlen willst.
Wie solche Roboter im Allgemeinen arbeiten, erklärt der Beitrag wie falsche Trading-Roboter arbeiten.
Ab 2023 lautete das Einwilligungsfeld: „I agree to share my personal data (full name, email address and phone number) with the partners of Bitcoin Billionaire for their own purposes.“ Die Partner seien „investment education firms, data brokers and intermediaries“ („Bildungsanbieter für Geldanlage, Datenhändler und Vermittler“). Deine Daten waren damit das eigentliche Produkt. Die letzte Fassung vom März 2026 trug den Titel „Adaptive AI Guidance Driving Decisive Trading Judgments“, hatte ein Anmeldeformular und lief in vielen Sprachversionen, darunter Deutsch.
Die falschen Promis
Die Seite von 2020 zeigte unter „Crypto Millionaires in Media“ Zitate von Warren Buffett, Richard Branson, John McAfee, Steve Jobs und 50 Cent. Sie behauptete, diese Personen hätten „huge profits with Bitcoin Billionaire“ („riesige Gewinne mit Bitcoin Billionaire“) gemacht. Für eine Unterstützung durch eine dieser Personen gibt es keinen Beleg. Die BaFin beschreibt genau dieses Vorgehen: Täter nutzen Prominente ohne deren Zustimmung für ihre Werbung.
In Spanien wurde die Marke („Bitcoin Millonario / Bitcoin Billionaire“) mit einem Deepfake des RTVE-Moderators Lluís Guilera beworben. Versprochen wurden 35.000 € im Monat bei 250 € Einsatz, wie VerificaRTVE am 31. Dezember 2024 berichtete. Das ist ein spanischer Fall und sagt nichts über Maßnahmen deutscher Behörden.
Gibt es eine offizielle Warnung?
Die spanische Aufsicht CNMV hat vor der Adresse bitcoin-billionare-es.yourmakemoneyclub.com gewarnt (die Schreibweise mit „billionare“ steht so im Eintrag). Die IOSCO, die internationale Dachorganisation der Wertpapieraufsichten, veröffentlichte die Warnung am 17. Januar 2022 und aktualisierte sie am 27. Oktober 2026. Die Kategorie lautet „Unregistered/Unlicensed entity offering financial products or services“. Den Eintrag bei IOSCO kannst du selbst prüfen. Die Warnung betrifft diese eine Adresse, nicht jede Seite, die den Namen nutzte.
Eine Warnung der BaFin, der Verbraucherzentralen oder der deutschen Polizei, die Bitcoin Billionaire beim Namen nennt, haben wir bei unserer Suche am 3. November 2026 nicht gefunden. Das ist keine Entwarnung. Die BaFin weist selbst darauf hin, dass ihre Hinweise nie alle betrügerischen Angebote abdecken können.
Dasselbe Vorgehen findest du bei Bitcoin Revolution, einer Marke mit ähnlichem Muster. Wir behaupten damit nicht, dass dieselben Betreiber dahinterstehen. Auch zu Bitcoin Era gibt es eine eigene Einschätzung.
Seit 2026 gilt: nur Anbieter mit MiCAR-Lizenz
Am 1. Juli 2026 endete die Übergangszeit der EU-Verordnung MiCAR. Seither dürfen nur noch Anbieter mit einer nach MiCAR erteilten Lizenz Kryptowerte-Dienstleistungen in der Europäischen Union erbringen, wie die BaFin in ihrer Meldung vom 8. Juli 2026 schreibt. Deutschland hatte die Übergangsfrist auf den 31. Dezember 2025 verkürzt.
So prüfst du einen Anbieter:
- Suche ihn in der Unternehmensdatenbank der BaFin oder bei der Aufsicht des Landes, in dem er seinen Sitz hat.
- Lies das Impressum. Fehlt es oder ist es fehlerhaft, investiere nicht.
- Findest du weder bei der BaFin noch bei der Aufsicht des Herkunftslandes eine Lizenz, lass die Finger davon. Ein in einem anderen EU-Staat zugelassener Anbieter steht oft nur im Register seiner Heimataufsicht.
Wie der Kauf über einen regulierten Anbieter funktioniert, steht im Leitfaden Krypto bei einem zugelassenen Anbieter kaufen.
Du hast dich angemeldet oder bezahlt? Das tust du jetzt
- Zahle nichts mehr. Auch nicht für „Steuern“, „Gebühren“ oder eine „Spiegeltransaktion“, die angeblich die Auszahlung freischaltet.
- Lass keine Fernwartungssoftware zu. Ist sie schon installiert, entferne sie und ändere deine Passwörter von einem anderen Gerät aus. Laut BaFin verschaffen sich Täter so manchmal Zugriff auf das Onlinebanking und eröffnen Konten oder Wallets in deinem Namen. Hatten sie Zugriff auf Gerät oder Onlinebanking, melde dich sofort bei deiner Bank. Ob du Geld zurückbekommst, kann niemand versprechen.
- Sichere Belege: Überweisungen, Wallet-Adressen, E-Mails, Chats, die Anrufliste und die Webadressen der Seiten.
- Erstatte Anzeige bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft. Die Chancen, das Geld zurückzubekommen, sind laut BaFin minimal, und ein Totalverlust ist wahrscheinlich.
- Hol dir unabhängige Hilfe, etwa bei den Verbraucherzentralen, bevor du eine weitere Entscheidung triffst.
Vorsicht vor angeblichen Rückholhelfern
Betrüger melden sich teils Jahre später erneut und behaupten, das verlorene Geld sei gefunden oder sichergestellt worden. Vorher sollst du Steuern oder Gebühren zahlen. Manche geben sich als Partner der BaFin aus. Die BaFin warnte davor am 4. Mai 2026: Die Rückführung verlorener Gelder gehört nicht zu ihren Aufgaben, sie beauftragt keine Dritten damit und wendet sich nicht von sich aus an einzelne Personen. Lass dich nicht darauf ein und zeige solche Kontaktversuche bei der Polizei an. Mehr Muster findest du im Überblick über Krypto-Betrug.
Häufige Fragen
Ist Bitcoin Billionaire seriös oder Betrug?
Bitcoin Billionaire war nicht seriös. Die Seite versprach 6.325 $ täglich, nannte im Kleingedruckten aber keine Garantie, und ab 2023 ließ sie sich erlauben, Kontaktdaten an Datenhändler weiterzugeben. Das Vorgehen entspricht dem, was die BaFin bei betrügerischen Handelsplattformen beschreibt.
Wie sind die Bitcoin Billionaire Erfahrungen auf den alten Seiten entstanden?
Die Erfahrungsberichte waren Testimonials der Betreiber, etwa „I made $ 500,000 on the first day!“, dazu angebliche Zitate bekannter Personen, für deren Unterstützung es keinen Beleg gibt. Laut BaFin werden Promi-Fotos oft ohne Zustimmung verwendet.
Hat die BaFin vor Bitcoin Billionaire gewarnt?
Wir haben keine Warnung gefunden, die den Namen nennt. Die spanische CNMV warnte vor einer einzelnen Adresse, wie IOSCO dokumentiert. Warnungen decken laut BaFin nie alle betrügerischen Angebote ab, ein fehlender Eintrag ist deshalb kein Entwarnungssignal.
Ist das Spiel „Bitcoin Billionaire“ dasselbe?
Nein. Bei Google erscheint inzwischen auch ein Handyspiel gleichen Namens, das ein anderes Produkt ist. Diese Seite bewertet das Spiel nicht und behandelt nur das Trading-Roboter-Angebot.
Quellen
- BaFin: Betrügerische Handelsplattformen
- BaFin: Meldung vom 8. Juli 2026 zu Geldwäscherisiken (MiCAR-Übergangsfrist)
- IOSCO I-SCAN: Warnung der spanischen CNMV (Eintrag 19872)
- Wayback Machine: bitcoin-billionaire.com, 6. August 2020
- Wayback Machine: bitcoin-billionaire.com/de/, 28. November 2020
- Wayback Machine: Earnings Disclaimer, 29. Juli 2020
- Wayback Machine: bitcoin-billionaire.com, 5. Juni 2024
- Wayback Machine: bitcoin-billionaire.com, 15. März 2026
- VerificaRTVE: Falso, RTVE no promociona una plataforma financiera (31. Dezember 2024)
- BaFin: Warnung vor angeblichen Hilfsangeboten (4. Mai 2026)